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Explosionsschutz bei Wasserstoffanlagen: Warum bestehende ATEX-Konzepte oft nicht ausreichen

20. Februar 2026 durch
Explosionsschutz bei Wasserstoffanlagen: Warum bestehende ATEX-Konzepte oft nicht ausreichen
seeITnow GmbH, Jörg Brinkmann
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Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft schreitet europaweit schnell voran. Elektrolyseanlagen, Speicherlösungen und Wasserstoff-Tankstellen entstehen derzeit in Industrie, Energieversorgung und Logistik.

Was dabei häufig unterschätzt wird:

Wasserstoff stellt deutlich höhere Anforderungen an den Explosionsschutz als klassische Brenngase wie Methan oder Propan.

Ein aktueller Fachbeitrag der Chemie Technik zeigt deutlich, warum bestehende Sicherheitskonzepte nicht einfach übertragen werden können.

Warum Wasserstoff explosionsschutztechnisch besonders kritisch ist

Wasserstoff besitzt Eigenschaften, die ihn aus Sicht des Explosionsschutzes zu einem der anspruchsvollsten Prozessgase machen:

  • Explosionsbereich: ca. 4 bis 75 Vol.-%

  • extrem geringe Mindestzündenergie

  • sehr hohe Flammgeschwindigkeit

  • kaum sichtbare Flamme

  • sehr kleine Molekülgröße → hohe Leckagewahrscheinlichkeit

Bereits kleinste Undichtigkeiten können zur Bildung explosionsfähiger Atmosphären führen. Bereiche, die bei Erdgas noch als unkritisch gelten, können bei Wasserstoff schnell zu ATEX-Zonen werden.

ATEX-Grundprinzip bleibt – Anforderungen steigen

Die grundlegende ATEX-Systematik bleibt bestehen, muss jedoch konsequenter umgesetzt werden.

Primärer Explosionsschutz

Vermeidung der Freisetzung:

  • hochwertige Dichtungssysteme

  • gasdichte Verschraubungen

  • kontinuierliche Gasüberwachung

  • geprüfte Armaturen

Sekundärer Explosionsschutz

Vermeidung wirksamer Zündquellen:

  • geeignete ATEX-Geräteauswahl

  • konsequenter Potentialausgleich

  • elektrostatische Ableitung

  • kontrollierte Oberflächentemperaturen

Gerade mobile Geräte oder Beleuchtungssysteme werden hier häufig falsch bewertet.

Tertiärer Explosionsschutz

Begrenzung der Auswirkungen:

  • Explosionsdruckentlastung

  • konstruktiver Explosionsschutz

  • Flammensperren

  • sichere Anlagenlayouts

Typische Planungsfehler bei Wasserstoffprojekten

Aus der Praxis zeigt sich aktuell ein wiederkehrendes Muster:

  • ATEX-Geräte werden ohne Bewertung für Wasserstoff eingesetzt

  • Temperaturklassen werden falsch interpretiert

  • Erdungs- und Ableitkonzepte fehlen

  • Lüftung wird überschätzt

  • mobile Endgeräte werden nach Gasgruppe statt realem Risiko ausgewählt

Wasserstoff diffundiert deutlich schneller als andere Gase und sammelt sich bevorzugt in oberen Anlagenbereichen oder geschlossenen Konstruktionen.

Dadurch entstehen Zonen häufig dort, wo sie ursprünglich nicht erwartet wurden.

Wasserstoff verändert die ATEX-Praxis

Explosionsschutz wird bei Wasserstoffanwendungen stärker zu einem Planungsthema statt einer nachträglichen Gerätauswahl.

Bereits in frühen Projektphasen müssen berücksichtigt werden:

Fazit

Wasserstoff macht Explosionsschutz nicht grundsätzlich neu — aber deutlich anspruchsvoller.

Unternehmen, die bestehende Erdgas- oder Chemieanlagenkonzepte unverändert übertragen, erhöhen das Risiko erheblich. Entscheidend ist eine frühzeitige Bewertung der tatsächlichen Zonenbildung und der eingesetzten Betriebsmittel.

Der vollständige Fachartikel ist hier verfügbar:

👉 Explosionsschutz für Wasserstoffanwendungen

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